Woru¿ber wir reden, wenn wir von Literatur reden

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'Die Poetik meines Schreibens beruht auf dem Widerwillen, nach einem Plan, einem Exposé, oder einem Treatment vorzugehen', bekennt Lydia Mischkulnig in ihrem poetologischen Versuch, dem Wesen und Wirken der Literatur auf die Schliche zu kommen. Literatur wird hier nicht als Produkt eines genialischen Geistes betrachtet, der sich von diesem zuvor einen genauen Plan machen könnte, sondern als ein komplexes Geschehen, sich in der Sprache mit sich selbst über die Welt zu verständigen.Anstelle der eigenen Produktionsästhetik rücken anhand der Frage, was Literatur sei, all jene Aspekte in den Blick, die zu dieser sprachlich gegliederten Selbstverständigung beitragen: 'Ich könnte den Titel auf die Essenz zuspitzen, dass ich, wenn ich über Literatur spreche, über mich rede, also meine Art der Perzeption und meine Weise des Denkens.' Und selbst diese Ausweitung ist noch zu eng gefasst, da das Ich vielfältigen Einflüssen, Wünschen und Irritationen nachgehen muss, will es seiner 'Weise des Denkens' gewahr werden. Literatur steht damit nicht für eine individuelle Angelegenheit, sondern bezeichnet einen geteilten sprachlichen Resonanzraum, der eine produktive Distanz zum eigenen Denken und Tun eröffnet und somit eine eminent politische Dimension in sich trägt.Mischkulnigs poetologischer Essay vollzieht diese Selbstbeobachtung anhand von vier Lektüren, die eine anhaltende Faszination auf die Autorin ausüben: Ingeborg Bachmanns Das Buch Franza, Elfriede Jelineks zunächst online publizierter Roman Neid, der anonym erschienene Pornoroman Josefine Mutzenbacher sowie Raymond Carvers Erzählungen Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden. Im Austausch mit diesen Texten werden grundlegende Potenziale eines literarischreflexiven Denkens anhand konkreter Sprachverwendungen herausgearbeitet: etwa die Möglichkeit, strukturelle Gewaltverhältnisse zu dechiffrieren und treffsichere Kritik an gesellschaftlichen Missständen zu üben; oder eine tiefgehende Verständigung zu ermöglichen, die eine Form von Trost spenden kann, allen existenziellen Widernissen zum Trotz. Poetische Selbsterkenntnisse, die an die Grundlagen des Zusammenlebens rühren.

Buchdetails

Autor
Mischkulnig, Lydia
Verlag
Sonderzahl Verlagsges.
ISBN
9783854497158
Erscheinungsdatum
21.09.2026
Seitenzahl
128
Einband
Taschenbuch
Sprache
Deutsch
Maße
194 × 122 × 15 mm

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